über die Künstlerin

Die Wolken haben es so leicht

7. Oktober bis 7. Januar 2010

Tina Pott hat ein feines Gefühl für die Ästhetisierung ganz gewöhnlicher, zuweilen sogar banaler Dinge oder Vorgänge. Schaut man auf die Titel und Inhalte der Bilder „Ich atme aus“ oder „Die Wolken haben es so leicht“, so eröffnen sich uns neue Sichtweisen.

Rote Wolken, blaue Häuser, kleine Kronen und geritzte Runen lassen Raum für Phantasie. In Tina Potts Bildern erscheint die Wirklichkeit auf eine wundersame Weise verwandelt, sie befindet sich nahezu in einem schwebenden, schwerelosen, zeitlosem Zustand.

In der Bildserie „Der Schlüsselschuh“, „Die Wolken haben es so leicht“ und „Roter Mond“ ist der Bildraum im Verhältnis 1 zu 3 aufgeteilt, und lässt so, aller traumwandlerischer Verspieltheit zum Trotz, einen ordnenden Rhythmus wieder erkennen. Diese Synthese von geometrischer Ordnung, dem Spiel von Kreis, Kubus und Quadrat kombiniert mit poetischen Themen verwirklicht Tina Pott mit außerordentlicher künstlerischer Eleganz und Akribie.

Die Künstlerin trägt Acrylfarben und Pigmente in mehreren Schichten intuitiv direkt auf die Leinwand auf, teils mit dem Pinsel oder der Hand gemalt, teils mit dem Spachtel gekratzt, so dass auch grafische Elemente im Bild auftauchen.

Die Wirkung ihrer abstrakten Landschaften geht ganz wesentlich von der  haptischen Präsenz der aufgetragenen Farbmaterie aus. Tina Pott entwirft Farbfelder in einer Tonigkeit, deren Formen durch Hell-Dunkel-Nuancen, vor allem aber durch darunter liegende, partiell übermalte Farbschichten und durch Ritzungen frei gelegt werden. Es gibt weder perspektivische Konstruktionen in diesen Bildern noch andere Spielarten, die Illusion von Raumtiefe hervorrufen würden.

Tina Potts Bilder bauen sich vor dem Betrachter auf, ein Verharren fordernd, eine Beruhigung der Blickbewegung, um so in einen Zustand intensiven Schauens zu gelangen. Erst dem längeren Verweilen und Schauen öffnen sich die wuchtigen Farbereignisse der Malerin und sensibilisieren den Blick für den Reichtum der farbigen Abstufungen und die Eigenarten der Bildräumlichkeit.

Dr. Barbara Aust-Wegemund, Kunsthistorikerin